Elon Musk war der erste Billionär - Was beutet das für uns?

Elon Musk war für etwa eine Woche Billionär. Damit ist Elon Musk einer der wirtschaftlich und politisch einflussreichsten Menschen der Welt. Und das ohne jede demokratische Legitimation. Kapital wird monopolisiert und damit auch Einfluss und politische Macht in einzelnen Personen gebündelt. Dass eine Person Billionär*in sein kann, ist ein Symptom des kapitalistischen Systems, das uns vor Augen führt, wie stark Reichtum und damit auch Macht nach oben verteilt wird, wie einzelne Personen immer reicher und Millionen immer ärmer werden. Mittlerweile besitzen die zwölf reichsten Menschen der Welt mehr als die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Und an ihrer Spitze: Elon Musk. Der erste Billionär im modernen Kapitalismus.

Dass Unternehmen gegründet werden und einzelne Personen durch ihren wirtschaftlichen Erfolg große Vermögen aufbauen können, ist ein grundlegendes Merkmal des Kapitalismus. Dabei sind die Ausgangsbedingungen aber keineswegs für alle Menschen gleich. Elon Musk als erster Billionär ist das perfekte Beispiel: Er wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und erhielt laut einer Biografie, die 2015 über ihn erschien, 1995 gemeinsam mit seinem Bruder Kimbal 28.000 US-Dollar von seinem Vater für den Aufbau seines ersten Unternehmens, Zip2, ein Softwareunternehmen, das unter anderem Online-Angebote für Zeitungen entwickelte. Musk selbst bestreitet allerdings, dass sein Vater ihn finanziell unterstützt habe. 1999 wurde Zip2 für rund 307 Millionen US-Dollar an Compaq verkauft. Mit einem Teil des daraus entstandenen Vermögens gründete Musk X.com, einen Online-Finanzdienstleister, der später mit dem Unternehmen Confinity fusionierte und schließlich zu PayPal wurde. Musk wurde bereits vor der Umbenennung zu PayPal als CEO abgesetzt. Dabei spielten unter anderem Auseinandersetzungen über die technische Ausrichtung und die Führung des Unternehmens eine Rolle.

Diese frühen Unternehmensgründungen zeigen bereits ein wesentliches Merkmal von Musks Aufstieg: Er konnte durch den Verkauf eines Unternehmens Kapital gewinnen und dieses anschließend nutzen, um weitere Unternehmen aufzubauen. Kapital erzeugt dadurch weiteres Kapital – ein Mechanismus, der im kapitalistischen Wirtschaftssystem eine immer größere Anhäufung von Vermögen ermöglichen kann.

So konnte Musk auch die Plattform X, ehemals Twitter, kaufen. Nach der Übernahme Ende 2022 entließ Musk einen großen Teil der Belegschaft und veränderte die Regeln zur Moderation von Inhalten. In wissenschaftlichen Untersuchungen wurde anschließend ein deutlicher Anstieg von Hassrede auf der Plattform festgestellt. Gleichzeitig verloren viele Werbekunden das Vertrauen in die Plattform und reduzierten ihre Ausgaben.

Hier zeigt sich ein weiteres Problem der Konzentration wirtschaftlicher Macht: Eine einzelne Person konnte ein weltweit bedeutendes Kommunikationsmedium erwerben und anschließend grundlegende Entscheidungen über dessen Ausrichtung treffen. Musks Einfluss beschränkt sich damit nicht mehr nur auf die Produktion von Waren oder Dienstleistungen, sondern reicht auch in den gesellschaftlichen und politischen Diskurs hinein. Kurz: Geld kauft Macht. Mit Demokratie hat das nicht mehr viel zu tun.

Auch bei Tesla zeigt sich das Spannungsverhältnis zwischen wirtschaftlichem Erfolg und den Interessen der Beschäftigten. Tesla sollte ursprünglich für technische Innovation und den Ausbau der Elektromobilität stehen, gleichzeitig gibt es seit Jahren Konflikte über die Rechte der Arbeitnehmer*innen. So beschäftigte sich das US-amerikanische National Labor Relations Board mehrfach mit Vorwürfen gegen Tesla im Zusammenhang mit gewerkschaftlicher Organisierung.

Darüber hinaus gibt es bei Tesla schwere Vorwürfe wegen rassistischer Diskriminierung am Arbeitsplatz. Das kalifornische Bürgerrechtsministerium wirft dem Unternehmen unter anderem vor, dass Schwarze Beschäftigte rassistischen Beleidigungen, Diskriminierung und Vergeltungsmaßnahmen ausgesetzt gewesen seien.

Auch Musks eigene Haltung gegenüber Gewerkschaften steht in der Kritik. 2018 veröffentlichte er einen Tweet, der von der US-Arbeitsbehörde als unrechtmäßige Drohung gegenüber Beschäftigten bewertet wurde, die sich gewerkschaftlich organisieren wollten.

Ein weiteres Beispiel für Musks wirtschaftliche Macht ist SpaceX. Das 2002 gegründete Raumfahrtunternehmen steht für technologischen Fortschritt und Innovation, ist gleichzeitig aber eng mit dem Staat verbunden. SpaceX übernimmt unter anderem Aufträge für die NASA und das US-Verteidigungsministerium. Damit wird deutlich, dass privates Unternehmertum und staatliche Finanzierung im Kapitalismus keineswegs voneinander getrennt sind. Ein privates Unternehmen kann von öffentlichen Aufträgen profitieren, während die daraus entstehenden Gewinne letztlich in die Hände der Eigentümer fließen.

SpaceX ist auch der Grund dafür, wieso Elon Musk für kurze Zeit Billionär war: Mit dem Börsengang des Unternehmens und der hohen Bewertung seiner Aktien besaß Elon Musk ein Vermögen von etwa 1,46 Billionen US-Dollar. Mit dem Fall des Aktienkurses einige Tage später schrumpfte das Vermögen von Musk wieder auf auf unter einer Billion Dollar.

Auch die Arbeitsbedingungen bei SpaceX stehen immer wieder in der Kritik. Ehemalige Beschäftigte berichten von hohem Leistungsdruck und langen Arbeitszeiten.

Hier zeigt sich ganz klar, wer von der Arbeit der Angestellten eines Unternehmens tatsächlich profitiert: die Eigentümer*innen, die über das Unternehmen und dessen Gewinne verfügen. Niemand kann ein derartiges Vermögen auf Basis der eigenen Arbeit anhäufen. Dem liegt immer Ausbeutung zugrunde. Durch die Arbeit von Tausenden geschaffener Mehrwert wird von einer einzigen Person privatisiert. Und das in einem solchen Ausmaß, dass sich ein Vermögen von über einer Billion Dollar anhäufen kann. Was Elon Musk von den Menschen hält, die arbeiten, um sein Vermögen zu vergrößern, machen sein Umgang mit den Arbeiter*innen in seinen Unternehmen und sein Verhältnis zu Gewerkschaften deutlich.

Musk zeigt damit beispielhaft, wie sehr sich wirtschaftliche Macht innerhalb des Kapitalismus konzentrieren kann. Aus einzelnen Unternehmensgründungen entstand ein weitreichendes Firmenimperium, das heute Bereiche wie Mobilität, Raumfahrt und soziale Medien umfasst. Die entscheidende Frage ist daher nicht nur, wie viel wirtschaftlicher Fortschritt durch solche Unternehmen entsteht, sondern auch, wem dieser Fortschritt zugutekommt und wie viel Macht eine einzelne Person über Beschäftigte, öffentliche Gelder und gesellschaftliche Debatten besitzen sollte. Eine*n Billionär*in ist damit keinesfalls jemand, der/die für irgendetwas gefeiert werden sollte sondern eine Person, die dafür steht, wie viel Mehrwert privatisiert, wie viel Kapital angehäuft wird, wie stark Menschen ausgebeutet werden und wie undemokratisch eine solche Machtanhäufung ist.

 

Text: Benjamin Bartik & Jazz Feichtinger