Der Akademikerball: Das umstrittenste Event des Jahres
Dieses Jahr findet der Akademikerball am 20. Februar in der Hofburg statt. Seit Jahrzehnten findet dieses heiß diskutierte Event statt. Es sieht vielleicht nach einem Traditionellen Ball Event aus aber für viele andere ist es recht politisch aufgeladenes Ereignis.
Während die Besucher*innen mit ihrer Abendgarderobe in die Hofburg hineinspazieren, hört man die lauten Gegenstimmen. Seit Jahren versuchen Demonstrant*innen drauf aufmerksam zu machen, dass der Akademikerball ein Ball für Nationalisten und Patrioten ist. Auf der Gästeliste stehen lauter Namen, die in der Rechten-Szene bekannt und gefeiert sind. Genau das ist der Grund, warum jedes Jahr scharfe Kritik geäußert wird.
Geschichte
Der Akademikerball existiert seit den 1950er-Jahren und war lange als WKR-Ball (Wiener Korporationsring) bekannt. Diese Veranstaltung wurde 2013 in „Akademikerball“ umbenannt, nachdem die Hofburg-Betreibergesellschaft den alten Namen nicht mehr zulassen wollte. Die Veranstaltung fand jedoch unter ähnlichen Strukturen weiter statt, wird aber nun offiziell von der FPÖ organisiert, statt vom Wiener Korporationsring. Offiziell vertreten die Organisator*innen keine parteipolitische Ausrichtung, doch der Akademikerball hat seit Jahrzehnten für Schlagzeilen gesorgt, insbesondere wegen der politischen Nähe zu deutschnationalen und rechten Gruppen. In der Vergangenheit wurden etwa rechtsextreme Redner*innen und Gäste wie Marie Le Pen, Alexander Dugin oder Akteur*innen der Identitären Bewegung am Ball gesichtet, was immer wieder Kritik hervorruft.
In den vergangenen Jahren sorgten Aussagen voller rechter Hetzte von FPÖ-Politikern für Empörung beispielsweisen als HC Strache die Demonstrationen gegen den Akademikerball mit der Verfolgung von Jüdinnen und Juden verglich.
Demonstrationen
Besonders problematisch ist für viele Beobachter*innen, dass der Ball nicht nur von österreichischen Politiker*innen besucht wird, sondern auch von internationalen rechtspopulistischen und rechtsextremen Gästen. In der Vergangenheit nahmen immer wieder bekannte Personen aus der europäischen rechten Szene teil. Dadurch wird der Akademikerball oft nicht als gesellschaftliches Fest, sondern als Vernetzungstreffen rechter Gruppierungen wahrgenommen.
Aus diesem Grund kommt es jedes Jahr zu Demonstrationen gegen den Akademikerball. Zahlreiche antifaschistische Initiativen, Studierendenvertretungen und zivilgesellschaftliche Gruppen protestieren dagegen, dass eine solche Veranstaltung in der Hofburg stattfindet – einem Ort, der als Symbol der österreichischen Republik gilt. Für viele ist es nicht akzeptabel, dass dort Personen mit extremen politischen Ansichten feiern dürfen.
Auch dieses Jahr finden wieder mehrere Proteste statt, und wir, die Sozialistische Jugend Wien, sind auch dort. Dabei zeigt sich, dass es innerhalb der Demonstrationsbewegung unterschiedliche Schwerpunkte gibt. Während einige Gruppen besonders auf die deutschnationalen Burschenschaften aufmerksam machen wollen, legen andere großen Wert auf eine klare Abgrenzung gegenüber Antisemitismus und Extremismus. Dies verdeutlicht, wie komplex die Debatte rund um den Akademikerball inzwischen geworden ist.
Ausblick
Der Akademikerball ist somit weit mehr als nur ein festlicher Abend mit Musik und Tanz, er ist ein Abend an dem Faschisten und Rechtspopulisten sich vernetzten und untereinander feiern können. Er steht jedes Jahr im Mittelpunkt einer gesellschaftlichen Diskussion über politische Verantwortung.
Text: Hanna Varga